Plastik ist allgegenwärtig. Leider ist es nicht nur überall in unserer Umwelt. Es ist auch ein Teil unseres Körpers geworden.
Kannst du kaum glauben? Dann lies weiter.
Wir verwenden Plastik jeden Tag. Es ist kaum möglich, Plastik vollständig zu vermeiden. Es wird daher Zeit, sich mit den Auswirkungen von Plastik näher zu beschäftigen.
Je mehr ich angefangen habe, mich darüber zu informieren, desto erschrockener war ich. Nach und nach wurde mir klar, wie selbstverständlich Plastik in unserem Alltag geworden ist
und wie wenig wir hinterfragen, was das eigentlich bedeutet.
Lange Zeit sind wir davon ausgegangen, dass unser Körper gut abgrenzt und alles transformiert und ausscheidet, was schädlich ist.
Doch so einfach ist es leider nicht.
Mikroplastik wurde inzwischen praktisch überall im menschlichen Körper nachgewiesen: im Blut, in Organen, im Gehirn und sogar in der Plazenta.
Wir nehmen Mikroplastik jeden Tag auf, sei es über die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, Lebensmittel, Kassenbon, die wir anfassen oder Kleidung, die wir tragen.
Das bedeutet nicht automatisch direkten Schaden. Aber die Tatsache, dass es überall im Körper gefunden wurde, zeigt eindeutig, dass der Körper es aufnimmt und nicht vollständig ausscheidet.
Lange gingen wir davon aus, dass unser Gehirn gut geschützt ist und dass die Blut-Hirn-Schranke klar trennt zwischen dem, was hineingelangt und dem, was draußen bleibt.
Eine aktuelle Studie (2024, Nature Medicine) stellt dieses Bild zumindest teilweise infrage.
Darin wurden Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Gehirn nachgewiesen.
Was dabei besonders auffällt:
– Die Konzentration war deutlich höher als in anderen Organen wie Leber oder Niere
– Die gefundene Menge entspricht ungefähr dem Gewicht eines kleinen Plastiklöffels (!)
– Und sie scheint in den letzten Jahren zugenommen zu haben
Wie gelangen diese Partikel überhaupt ins Gehirn?
Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass vor allem sehr kleine Partikel – sogenannte Nanoplastik – in der Lage sind, biologische Barrieren zu überwinden.
Sie können über das Blut oder möglicherweise auch über den Riechnerv aufgenommen werden und so direkt ins Gehirn gelangen.
Das bedeutet nicht, dass Mikroplastik automatisch neurologische Erkrankungen verursacht.
Aber es zeigt etwas anderes:
In Studien wurde Mikroplastik in menschlichen Plazenten nachgewiesen. In einigen Untersuchungen sogar in allen analysierten Proben.
Das zeigt vor allem eines:
Die Exposition beginnt bereits während der Entwicklung im Mutterleib.
Die Plazenta ist ein hochsensibles Organ. Sie entsteht innerhalb weniger Monate und reguliert, welche Stoffe ein ungeborenes Kind erreichen.
Dass sich dort Mikroplastik nachweisen lässt, macht deutlich, wie allgegenwärtig diese Partikel inzwischen sind.
Wir kommen also bereits in einer Phase damit in Kontakt, in der sich unser Körper grundlegend entwickelt.
Wenn wir über Plastik sprechen, denken wir zuerst an das Offensichtliche wie Verpackungen, Flaschen, Folien.
Doch das ist nur ein Teil des Ganzen.
Denn Kunststoff ist kein einheitliches Material. Er besteht aus einer Vielzahl an chemischen Verbindungen und genau diese machen ihn formbar, haltbar oder flexibel.
Einige dieser Stoffe sind nicht fest gebunden. Sie können sich lösen, übergehen und so in unseren Körper gelangen.
Und genau hier wird es für deine Hormonbalance relevant.
Denn bestimmte dieser Verbindungen wirken nicht neutral. Sie können in hormonelle Prozesse eingreifen
und Signale im Körper verändern.
Bestimmte Kunststoffbestandteile gehören zu den sogenannten Xenoöstrogenen.
Das bedeutet: Sie können im Körper wie Östrogen wirken, indem sie an die gleichen Rezeptoren andocken. Sie sind Östrogen ähnlich genug, um ein Signal auszulösen.
Unser Körper reagiert auf Signale, egal ob diese von innen oder außen kommen.
Wann wird welches Hormon ausgeschüttet?
Wie stark?
Wie lange?
Wenn nun von außen Substanzen dazukommen, die diese Signale imitieren oder verändern, gerät dieses Gleichgewicht leichter ins Wanken.
– hormonelle Signale verändern
→ Rezeptoren werden aktiviert oder blockiert, obwohl dein Körper dieses Signal gar nicht bewusst gesetzt hat
→ das kann dazu führen, dass Prozesse „zu früh“, „zu spät“ oder in veränderter Intensität ablaufen
– in Entwicklungsprozesse eingreifen
→ besonders in sensiblen Phasen wie Pubertät oder Schwangerschaft
→ hier wird das Hormonsystem grundlegend geprägt und kleine Störungen können langfristige Auswirkungen haben
– langfristige Effekte auf das Hormonsystem haben
→ weil Hormone in Regelkreisen arbeiten (z. B. Hypothalamus–Hypophyse–Eierstock-Achse)
→ wird ein Teil beeinflusst, passt sich das gesamte System an
Und genau hier liegt die Verbindung zu vielen Themen, die ich auch in meiner Arbeit sehe:
Hormonelle Dysbalancen entstehen selten aus einem Auslöser. Sie sind oft das Ergebnis aus vielen kleinen Einflüssen, die zusammenwirken.
Wenn dein Körper zusätzlich mit hormonähnlichen Stoffen von außen arbeitet, kann das sich z. B. zeigen in:
– Zyklusunregelmäßigkeiten
– PMS oder PMDS
– verstärkten Östrogendominanz-Symptomen
– Schwierigkeiten, wieder in eine stabile Balance zu finden
Ein Grundverständnis hilft dir, bessere Entscheidungen für deine Gesundheit zu treffen:
Einer der bekanntesten Stoffe in Plastik.
Er wird eingesetzt, um Materialien hart und stabil zu machen.
Du findest ihn vor allem in:
– Trinkflaschen und Vorratsdosen
– Innenbeschichtungen von Konservendosen
– Kassenzetteln
BPA kann im Körper östrogenähnlich wirken und hormonelle Prozesse beeinflussen.
Viele Produkte sind heute „BPA-frei“. Klingt schön. Heißt aber nicht unschädlich. BPA wird häufig durch ähnliche Stoffe ersetzt.
BPS und BPF wirken im Körper sehr ähnlich, teilweise sogar stabiler.
Phthalate machen Plastik weich und flexibel.
Du findest sie u. a. in:
– Frischhaltefolie und Verpackungen
– Duschvorhängen
– Kosmetik (oft versteckt hinter „Parfüm“)
Sie wirken nicht wie Östrogen, sondern beeinflussen vor allem die androgene Hormonwirkung.
Bedenke, dass Hormone nie isoliert arbeiten. Wenn sich ein Bereich verändert, verschiebt sich das ganze System.
Ich habe mein Leben nicht von heute auf morgen umgestellt, sondern Schritt für Schritt begonnen, bewusster mit Plastik umzugehen.
Immer dann, wenn etwas kaputt gegangen ist oder leer wurde,
habe ich mich für eine Alternative entschieden. Für natürlichere Materialien wie Holz in der Küche oder Glas zur Aufbewahrung.
Mit der Zeit habe ich angefangen, genauer hinzuschauen. Ich lese heute Etiketten und Inhaltsstoffe bei Drogerieartikeln, Kosmetik und Kleidung, nicht nur bei Lebensmitteln.
Ich habe Duftstoffe hinterfragt und irgendwann meine Parfüms durch ätherische Öle ersetzt.
Ich wollte meinen Körper so gut es geht unterstützen, wieder einen Zyklus zu haben.
Für mich war das ein wichtiger Teil auf dem Weg zurück in meine Hormonbalance und einen regelmäßigen Zyklus zu erreichen.
Vielleicht ist das auch für dich ein Impuls, genauer hinzuschauen.
Fange damit an, wahrzunehmen, wie viel Plastik dich im Alltag begleitet. Und überlege dir, was nach und nach ersetzt werden möchte.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412020322297
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412022001258
https://www.nature.com/articles/s41591-024-03453-1
https://flexikon.doccheck.com/de/Mikroplastik
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31139862/
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/43565-wie-das-mikroplastik-ins-hirn-kommt