Insulinresistenz verstehen

Insulinresistenz

Warum das für deine Hormongesundheit so wichtig ist

Als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit damals noch PCOS (heute: PMOS) beschäftigte, war ich – wie viele andere – überzeugt, dass es sich dabei in erster Linie um eine Hormonerkrankung handelt. Der Fokus lag auf Östrogen, Progesteron, Testosteron und den Eierstöcken. Je tiefer ich mich jedoch mit dem Stoffwechsel beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass wir häufig am falschen Ende beginnen. Wir versuchen, die hormonellen Folgen zu behandeln, ohne die Stoffwechselprozesse zu verstehen, die ihnen häufig zugrunde liegen.

Denn ein Hormon, das für unseren Stoffwechsel von zentraler Bedeutung ist, wird erstaunlich selten in den Mittelpunkt gestellt: Insulin.

Auch heute richtet sich der Blick bei Frauen mit Zyklusstörungen, unerfülltem Kinderwunsch, Akne oder verstärktem Haarwuchs meist zuerst auf die Geschlechtshormone. Sie stehen im Mittelpunkt der Diagnostik und häufig auch der Behandlung. Der Stoffwechsel wird dagegen oft erst dann genauer betrachtet, wenn bereits Übergewicht, ein erhöhter Blutzucker oder sogar ein Prädiabetes vorliegen.

Dabei gehört Insulin zu den wichtigsten Stoffwechselhormonen unseres Körpers. Es reguliert nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern beeinflusst den gesamten Energiestoffwechsel. Angefangen mit der Speicherung, über die Nutzung von Energie bis hin zur Kommunikation mit anderen Hormonen. Gerade die neueren Erkenntnisse zu PMOS (Poly Metabolic Ovary Syndrome) rücken Insulin deshalb immer stärker in den Fokus und zeigen, dass hormonelle Beschwerden häufig nicht losgelöst vom Stoffwechsel betrachtet werden können.

Um zu verstehen, weshalb Insulin bei PMOS eine so entscheidende Rolle spielt, müssen wir zunächst verstehen, welche Aufgaben dieses Hormon überhaupt erfüllt.

Was macht Insulin?

Insulin wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet und nach einer Mahlzeit ausgeschüttet. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren. Dort dient sie entweder unmittelbar der Energiegewinnung oder wird als Energiereserve gespeichert.

Ohne Insulin wäre dieser Prozess nicht möglich. Das Hormon sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen wieder sinkt und die Körperzellen mit Energie versorgt werden.

Doch Insulin kann weit mehr. Es beeinflusst nahezu den gesamten Stoffwechsel. Es fördert den Aufbau von Energiereserven, unterstützt die Speicherung von Kohlenhydraten in Form von Glykogen und hemmt (!) gleichzeitig den Abbau von Körperfett. Solange Insulin erhöht ist, signalisiert es dem Körper, dass ausreichend Energie vorhanden ist und gespeicherte Reserven zunächst nicht benötigt werden.

Diese Prozesse sind zunächst völlig natürlich und lebensnotwendig. Problematisch wird es aber, wenn der Insulinspiegel dauerhaft erhöht bleibt.

Was bedeutet Insulinresistenz?

Von einer Insulinresistenz spricht man, wenn die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin reagieren. Um den Blutzuckerspiegel dennoch im normalen Bereich zu halten, produziert die Bauchspeicheldrüse immer größere Mengen Insulin.

Lange Zeit gelingt dem Körper dieser Ausgleich erstaunlich gut. Deshalb kann der Blutzucker über Jahre hinweg völlig unauffällig sein, obwohl der Insulinspiegel bereits dauerhaft erhöht ist.

Genau hier setzt die moderne Stoffwechselforschung an. Danach beginnt die Entwicklung vieler Stoffwechselerkrankungen nicht erst mit einem erhöhten Blutzucker, sondern bereits deutlich früher. Nämlich in einer Phase, in der der Körper versucht, die nachlassende Wirkung des Insulins durch eine vermehrte Ausschüttung auszugleichen.

Welche Rolle spielen Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate sind der Makronährstoff, der den stärksten Anstieg des Insulinspiegels auslöst. Das ist zunächst eine ganz normale Reaktion, denn die aufgenommene Glukose muss aus dem Blut in die Körperzellen gelangen.

Für einen stoffwechselgesunden Menschen ist das in der Regel kein Problem. Besteht jedoch bereits eine Insulinresistenz, reicht die übliche Menge an Insulin häufig nicht mehr aus. Die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin ausschütten, um dieselbe Wirkung zu erzielen.

Besonders schnell verdauliche und stark verarbeitete Kohlenhydrate verstärken diesen Prozess zusätzlich. Wichtig ist, dass auch andere Faktoren bei Insulinresistenz eine Rolle spielen. Auch Bewegungsmangel (Bewegung unterstützt Glukoseabbau), Schlafmangel, chronischer Stress und eine dauerhaft positive Energiebilanz beeinflussen die Insulinempfindlichkeit.

Stoffwechselgesundheit entsteht daher immer im Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Warum Insulinresistenz bei PMOS so wichtig ist

Lange Zeit wurde PCOS vor allem als hormonelle Erkrankung der Eierstöcke betrachtet. Heute verändert sich dieses Verständnis zunehmend. Immer mehr erkennt man die Erkrankung als Stoffwechselstörung mit hormonellen Auswirkungen.

Dieser Perspektivwechsel spiegelt sich auch in der Bezeichnung PMOS (Poly Metabolic Ovary Syndrome) wider, die den metabolischen Ursprung stärker in den Mittelpunkt stellt.

Bei einem Großteil der betroffenen Frauen liegt eine Insulinresistenz vor und zwar unabhängig davon, ob Übergewicht besteht oder nicht.

Insulin wirkt nicht nur auf Muskeln, Leber und Fettgewebe, sondern auch auf die Eierstöcke. Dort regt es die Bildung männlicher Hormone, der sogenannten Androgene, an. Gleichzeitig hemmt ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel die Bildung des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) in der Leber. Da SHBG Testosteron im Blut bindet, führt eine geringere SHBG-Konzentration dazu, dass mehr freies Testosteron im Körper zirkuliert. Dies kann typische Beschwerden wie Zyklusstörungen, einen ausbleibenden Eisprung, Akne oder einen verstärkten Haarwuchs begünstigen.

Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass Hormone und Stoffwechsel untrennbar miteinander verbunden sind.

Und genau deshalb sollten nicht nur  die Geschlechtshormone betrachtet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, wie der Stoffwechsel arbeitet und welche Rolle Insulin dabei spielt.

Kurz gesagt:

Insulin beeinflusst zahlreiche Stoffwechselprozesse und steht in enger Wechselwirkung mit unserem Hormonsystem. Gerade bei PMOS zeigt sich, wie eng diese beiden Systeme miteinander verbunden sind.

Stoffwechsel und Hormonhaushalt können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Maßnahmen, die die Insulinempfindlichkeit verbessern, können auch einen positiven Einfluss auf die Hormonbalance haben.

Quellen: 

Wer mehr erfahren möchte: 

Tauche in die Hintergründe der Namensänderung von PCOS zu PMOS ein HIER.

Mehr zu den PCOS Typen.

Die Unterschiede von PCOS oder hypothalamischer Amenorrhoe sind HIER dargestellt.

Mehr zum Thema Ernährung gibt es HIER. 

Mehr über das Thema Blutzucker findest du HIER.

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